GES Kapitel 01

Was sagen die Werte beim Blutdruck wirklich aus?

Was sagen die Werte beim Blutdruck aus? Systole, Diastole und Puls erklärt, mit Tabelle der Normwerte und Hinweisen, ab wann hohe Werte gefährlich sind.

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Beim Check-up steht plötzlich „138 zu 80“ auf dem Zettel, und der Hausarzt sagt nur: „Behalten Sie das mal im Auge.“ Was sagen die Werte beim Blutdruck aus, und ab wann sollte man sich tatsächlich kümmern? Nach diesem Beitrag kannst du deine eigenen Messwerte einordnen, weißt, wann es ernst wird, und hast einen ersten Schritt für die nächste Woche.

Was sagen die Werte beim Blutdruck aus? Die Grundlagen

Blutdruck ist der Druck, den das Blut von innen auf die Wände deiner Arterien ausübt. Er wird in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben, eine Einheit aus der Zeit, als man ihn noch mit einer Quecksilbersäule gemessen hat. Jede Messung liefert zwei Zahlen, zum Beispiel 128/82. Gesprochen wird das „128 zu 82“.

Die beiden Werte beim Blutdruck sagen etwas über zwei verschiedene Momente im Herzschlag aus. Die obere Zahl beschreibt den Druck, wenn das Herz sich zusammenzieht und Blut in die Gefäße pumpt. Die untere Zahl beschreibt den Druck in der Phase, in der das Herz sich entspannt und wieder mit Blut füllt. Beide zusammen ergeben ein Bild davon, wie stark dein Gefäßsystem belastet ist.

Warum das wichtig ist: Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck tut nicht weh. Viele Männer merken jahrelang nichts. Gleichzeitig gilt Bluthochdruck als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden. Der Messwert ist also eine Art Frühwarnsystem. Er zeigt ein Problem an, lange bevor du es spürst.

Ich habe in der Reha-Praxis viele Männer betreut, die erst nach einem Herzinfarkt angefangen haben, ihre Werte ernst zu nehmen. Das muss nicht sein. Wer seine Zahlen kennt, hat Zeit, etwas zu ändern. Was dein Körper dir sonst noch an Signalen schickt, beschreibt der Beitrag zur Männergesundheit und den Signalen deines Körpers.

Systolisch und diastolisch: Was sagen die Werte beim Blutdruck messen aus?

Die obere Zahl heißt systolischer Wert, die untere diastolischer Wert. Die Begriffe kommen von Systole (Anspannungs- und Auswurfphase des Herzens) und Diastole (Entspannungs- und Füllungsphase).

Der systolische Wert

Der systolische Blutdruck ist der höchste Druck im Gefäßsystem während eines Herzschlags. Er hängt davon ab, wie kräftig das Herz pumpt und wie elastisch die großen Arterien sind. Mit zunehmendem Alter werden die Gefäße steifer. Deshalb steigt bei vielen Menschen vor allem der systolische Wert über die Jahre an. Kurzfristig schwankt er stark: Treppensteigen, Stress, Kaffee oder ein volles Wartezimmer können ihn für eine Weile deutlich nach oben treiben.

Der diastolische Wert

Der diastolische Blutdruck ist der niedrigste Druck, der zwischen zwei Herzschlägen in den Gefäßen bleibt. Er zeigt, wie hoch der Grundwiderstand in den kleinen Arterien ist. Bei jüngeren Männern ist häufiger der diastolische Wert erhöht, oft zusammen mit Übergewicht, Bewegungsmangel und Stress.

Für die Einordnung zählen beide Zahlen. Wichtig ist dabei eine einfache Regel: Liegt einer der beiden Werte in einer höheren Kategorie als der andere, gilt die höhere Kategorie. Ein Blutdruck von 134 zu 91 ist also nicht „fast normal“, sondern wegen der 91 bereits im Bereich der Hypertonie Grad 1.

Noch ein Hinweis zur Messung selbst: Eine einzelne Zahl sagt wenig. Aussagekräftig sind mehrere Messungen unter gleichen Bedingungen. Setz dich vorher fünf Minuten ruhig hin, lege die Manschette am Oberarm auf Herzhöhe an, sprich nicht und miss zweimal im Abstand von etwa einer Minute. Viele Fachgesellschaften empfehlen, das über eine Woche morgens und abends zu wiederholen und die Werte zu notieren.

Was ist ein normaler Blutdruckwert? Die Tabelle für Männer

Die folgende Einteilung entspricht der Klassifikation der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie (ESH), auf die sich auch die Deutsche Hochdruckliga bezieht. Sie gilt für Messungen in der Arztpraxis bei Erwachsenen, für Männer und Frauen gleichermaßen.

KategorieSystolisch (mmHg)Diastolisch (mmHg)
Optimalunter 120und unter 80
Normal120–129und/oder 80–84
Hochnormal130–139und/oder 85–89
Hypertonie Grad 1140–159und/oder 90–99
Hypertonie Grad 2160–179und/oder 100–109
Hypertonie Grad 3ab 180und/oder ab 110

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat 2024 eine etwas vereinfachte Einteilung vorgestellt: unter 120/70 gilt als nicht erhöht, 120–139/70–89 als erhöht, ab 140/90 als Bluthochdruck. Für die Praxis ändert das wenig. Die Grenze zum Bluthochdruck liegt in beiden Systemen bei 140/90.

Beispiele aus dem Alltag eingeordnet

  • 114 zu 64 und 117 zu 68: optimal. Hier gibt es nichts zu tun, außer dranzubleiben.
  • 130/75: hochnormal, weil der systolische Wert 130 erreicht. Kein Grund zur Sorge, aber ein Signal, auf Bewegung, Gewicht und Salz zu achten.
  • 137 zu 83 und 138 zu 80: ebenfalls hochnormal. Das ist der Bereich, in dem viele Männer um die 40 landen. Jetzt ist der beste Zeitpunkt, gegenzusteuern, weil Veränderungen im Alltag hier oft noch reichen.
  • 134 zu 91: Hypertonie Grad 1 wegen des diastolischen Werts.

Ein normaler Blutdruck bei Männern liegt also unter 130/85, optimal ist unter 120/80. Wer zu Hause misst, muss außerdem wissen: Dort gelten niedrigere Grenzwerte, weil der Druck in der eigenen Wohnung meist entspannter ausfällt als beim Arzt.

Zu Hause gemessen gilt ein Mittelwert ab 135/85 bereits als erhöht, auch wenn die Grenze in der Praxis bei 140/90 liegt.

Und wenn der Wert zu niedrig ist?

Auch nach unten gibt es eine Grenze, sie ist aber weniger streng definiert. Als grobe Orientierung gelten Werte unter etwa 100/60 als niedriger Blutdruck. Ein diastolischer Wert von 50 kommt bei schlanken, gut trainierten Männern durchaus vor und ist ohne Beschwerden meist harmlos. Wenn dir dagegen regelmäßig schwindelig wird, dir beim Aufstehen schwarz vor Augen wird oder du ohnmächtig wirst, gehört das ärztlich abgeklärt.

Blutdruck 160 zu 90: Wann wird es gefährlich?

Ein einzelner hoher Wert ist noch keine Diagnose. Nach dem Sprint zum Bus oder in einer stressigen Besprechung kann der Blutdruck kurzfristig auf 160 oder mehr steigen. Entscheidend ist, was in Ruhe und über mehrere Tage herauskommt.

Misst du in Ruhe wiederholt einen Blutdruck von 160 zu 90, liegt das nach der Tabelle im Bereich der Hypertonie Grad 2, denn der systolische Wert bestimmt hier die Kategorie. Das ist kein Notfall, aber ein klarer Grund, in den nächsten Tagen einen Termin beim Hausarzt zu machen. Gleiches gilt für einen Blutdruck von 175 zu 95. Beide Werte liegen in einem Bereich, in dem Ärztinnen und Ärzte in der Regel nicht nur Lebensstiländerungen empfehlen, sondern auch über eine Behandlung sprechen. Welche das ist, gehört in die Arztpraxis und nicht in einen Blog.

Wann du sofort handeln solltest

Werte ab etwa 180 systolisch oder 110 bis 120 diastolisch gelten als stark erhöht. Kommen dann Beschwerden dazu, kann eine hypertensive Krise vorliegen. Warnzeichen sind:

  • Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
  • Atemnot
  • starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Verwirrtheit
  • Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen

In diesem Fall rufst du den Notruf 112. Ohne Beschwerden ruhst du dich etwas aus, misst nach einigen Minuten erneut und meldest dich bei bleibend hohen Werten noch am selben Tag beim Hausarzt oder beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Was im Bereich dazwischen hilft

Für Werte zwischen hochnormal und Grad 1 sind Alltagsänderungen die Grundlage, oft auch zusätzlich zu Medikamenten. Regelmäßige Ausdauerbewegung, ein paar Kilo weniger bei Übergewicht, weniger Alkohol und weniger Salz wirken sich auf den Blutdruck aus. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt weniger als fünf Gramm Salz pro Tag. Das ist ungefähr ein Teelöffel. Der größte Teil steckt in Brot, Wurst, Käse und Fertiggerichten. Wer öfter selbst kocht, hat die Menge besser im Griff. Ideen dafür findest du bei den schnellen und gesunden Aufläufen, und wie du deinen Körper insgesamt gut versorgst, steht im Beitrag über Energie durch die richtige Nährstoffversorgung.

Ruhepuls, Blutdruck und Testosteron: Wie hängt das zusammen?

Auf vielen Messgeräten steht neben den beiden Blutdruckwerten eine dritte Zahl: der Puls. Er gibt an, wie oft dein Herz pro Minute schlägt. Puls und Blutdruck sind zwei verschiedene Messwerte, die nicht automatisch gemeinsam steigen oder fallen.

Hoher Blutdruck bei normalem Puls

Ein hoher Blutdruck bei normalem Puls ist sehr häufig und kein Widerspruch. Der Puls sagt etwas über die Schlagfrequenz, der Blutdruck über den Druck in den Gefäßen. Wenn die Arterien steifer oder enger sind, steigt der Druck, auch wenn das Herz in ganz normalem Tempo schlägt. Ein Puls im Normalbereich ist also keine Entwarnung für einen hohen Blutdruck.

Der Ruhepuls liegt bei Erwachsenen meist zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute. Trainierte Ausdauersportler haben oft deutlich niedrigere Werte, weil ihr Herz mit jedem Schlag mehr Blut auswirft. Ein dauerhaft hoher Ruhepuls kann dagegen auf mangelnde Fitness, Stress, zu wenig Schlaf oder andere Ursachen hinweisen. Das Gute: Regelmäßiges Training senkt häufig beides, den Ruhepuls und den Blutdruck. Genauso wichtig wie das Training selbst ist allerdings die Erholung danach. Warum das so ist, erklärt der Beitrag über Regeneration und Muskelwachstum.

Und was hat Testosteron damit zu tun?

Die Frage taucht oft auf, die ehrliche Antwort ist: Der Zusammenhang ist nicht so eindeutig, wie manche Internetseiten behaupten. Studien beobachten, dass ein niedriger Testosteronspiegel bei Männern häufiger zusammen mit Übergewicht, Bauchfett, Diabetes und Bluthochdruck auftritt. Ob das eine das andere verursacht, ist damit aber nicht geklärt. Oft haben beide dieselben Ursachen: zu wenig Bewegung, zu viel Bauchfett, schlechter Schlaf.

Praktisch heißt das: Die Stellschrauben, die deinen Blutdruck senken, tun in der Regel auch dem Rest deines Hormonhaushalts gut. Wer Symptome wie anhaltende Müdigkeit, Libidoverlust oder Leistungsabfall bemerkt, lässt den Testosteronwert beim Arzt bestimmen. Präparate auf eigene Faust einzunehmen ist keine Lösung.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du unsicher bist, wie du deine Werte einordnen sollst, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt.

Häufige Fragen (FAQ)

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